Bei Leberproblemen und nach der Lebertransplantation:

Auch frei verkäufliche Medikamente mit dem Arzt absprechen

Bonn, 29.07.15 Lebertransplantierte oder Personen mit erhöhtem Risiko für eine Lebererkrankung sollten mit frei verkäuflichen Medikamenten vorsichtig sein. Denn einige dieser Arzneimittel können die Leberwerte erhöhen oder sogar schwere Leberschäden verursachen. Andere beeinflussen die Wirkung der Medikamente, die Transplantierte täglich einnehmen müssen, um ihr Spenderorgan vor der Abstoßung zu schützen. Zur eigenen Sicherheit sollten Betroffene daher immer Rücksprache mit dem Arzt halten, bevor sie beispielsweise ein Schmerz- oder Beruhigungsmittel kaufen.

Medikamente, die ohne Rezept in der Apotheke oder im Internet angeboten werden, sind nicht zwangsläufig harmlos. So belasten beispielsweise Schmerzmittel und Entzündungshemmer1-3 bei längerer Einnahme Magen oder Leber und können unter bestimmten Umständen sogar schwere Schäden an diesen Organen verursachen. Besonders gefährdet sind Personen mit einer Lebererkrankung oder einer Spenderleber. Andere Wirkstoffe und Medikamente können durch Wechselwirkungen die Wirksamkeit der so genannten Immunsuppressiva beeinflussen, die Transplantierte zum Schutz ihrer Spenderleber einnehmen müssen. Dazu gehören zum Beispiel Präparate, die Johanniskraut4 enthalten. Auch Nahrungsergänzungsmittel5 sind für Personen mit erhöhtem Risiko für eine Lebererkrankung nicht unproblematisch. „Das gilt vor allem für pflanzliche Zubereitungen, deren Zusammensetzung nicht klar definiert ist6-8“, erklärt  Erhard Hackler, Vorstand des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz in Bonn. „Transplantierte und Patienten mit einer Leberfunktionsstörung sollten daher mit dem Arzt besprechen, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sie zusätzlich zu ihrer verschriebenen Medikation einnehmen dürfen und was sie dabei beachten müssen.“

Woran man die unterschiedlichen Lebererkrankungen erkennt, wann eine Lebertransplantation notwendig wird und was Lebertransplantierte im Alltag beachten müssen, beschreibt die Broschüre „Organtransplantation Leber“. Sie ist kostenfrei und kann postalisch oder im Internet beim Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz bestellt werden: BGV e.V, Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-transplantation.de.

 

(1) Canaby A et al:  Übersichtsarbeit „Akutes Leberversagen: Ein lebensbedrohliches Krankheitsbild“ , Dtsch Arztebl Int 2011; 108(42): 714-20; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0714

(2) Deutsches Ärzteblatt online, „Sachlicher Umgang mit frei verkäuflichen Analgetika nötig“, Dienstag, 17. Februar 2015

(3) Müller-Schwefe G H H Präsident Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.: , „Freiverkäufliche Schmerzmittel nur kurzfristig einnehmen“, PM idw Informationsdienst Wissenschaft, 0/14/2014

(4) Rote Liste Arzneimittelinformation, Rote Liste® Service GmbH, Mainzer Landstr. 55, 60329 Frankfurt/Main.

(5) Im Gegensatz zu Arzneimitteln müssen Nahrungsergänzungsmittel kein Zulassungsverfahren durchlaufen, sondern unterliegen nur einer Registrierungspflicht beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Für die Sicherheit sind die Hersteller verantwortlich.

(6) Teschke R: “Hepatotoxicity by drugs and dietary supplements: safety perspectives on clinical and regulatory issues.” Ann Hepatol 2009; 8: 184–95.

(7) Bundesamt für Risikobewertung, “Können Noni-Säfte die Gesundheit schädigen?”, Aktualisierte Information* Nr. 045/2006 des BfR vom 06. März 2006

(8) Viegener U. „Traditionelle chinesische Medizin - Leber potenziell gefährdet“, Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 24/2014