Zwei Gläser Wein täglich können schon zu viel sein

Wenn die Selbstheilungskräfte der Leber erschöpft sind

Bonn, 25.10.16  Die Leber ist ein einzigartiges Organ. Anders als Herz, Niere oder Lunge ist sie in der Lage, sich zu regenerieren. Aus diesem Grund verkraftet sie die Flasche Bier und das Glas Wein am Wochenende in vielen Fällen problemlos. Doch unerschöpflich ist diese Fähigkeit nicht. Täglicher Alkoholkonsum kann dazu führen, dass zu viel Lebergewebe abstirbt und sich im Laufe der Jahre eine Zirrhose entwickelt. In diesem Fall ist die Transplantation einer Spenderleber der letzte Ausweg.

Die meisten Menschen, die hin und wieder Alkohol trinken, nehmen daran keinen Schaden. Doch 9,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskantem Ausmaß. Fast 1,8 Millionen Bundesbürger gelten als alkoholabhängig, mindestens 74.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen eines Alkoholmissbrauchs1. Doch wie viel Alkohol ist gesundheitlich riskant? Die gute Nachricht für alle Männer: Sie können Alkohol besser abbauen als Frauen, ohne dass ihre Leber geschädigt wird. Wie viel das im Einzelfall ist, hängt neben dem Geschlecht von individuellen Faktoren ab. Es gibt aber einen Richtwert für die Menge an Alkohol, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu Leberschäden führt: So entwickelt sich bei 6 bis 41 Prozent der Frauen durch den Konsum von etwa 20 Gramm reinen Alkohols pro Tag über einen Zeitraum von zehn Jahren

eine Leberzirrhose. Für Männer wird ein durchschnittlicher Wert von 60 bis 80 Gramm angegeben1. Frauen sollten also nicht mehr als eine Flasche Bier oder ein Glas Wein am Tag trinken, Männer vertragen gut die doppelte Menge2. In jedem Fall ist es ratsam, pro Woche ein paar alkoholfreie Tage einzuschieben. Wer Medikamente einnimmt oder andere Risikofaktoren für Leberschäden trägt, sollte vorsichtiger sein. Arzneimittel und Alkohol beeinflussen sich oftmals in ihrer Wirkung und können gegenseitig den Abbau über die Leber stören.

Fettleber durch zu viel Alkohol

In gewissem Ausmaß kann die Leber Giftstoffe abbauen, wie zum Beispiel Medikamente, Chemikalien oder Alkohol. Sind solche Gifte im Übermaß vorhanden, kann die Leber die im Blut enthaltenen Fette nicht mehr ausreichend verarbeiten und speichert diese vermehrt in ihren Zellen. Wer rechtzeitig die Notbremse zieht und auf Alkohol verzichtet, kann erreichen, dass sich die Fettleber zurückbildet. Andernfalls stirbt Lebergewebe dauerhaft ab und es kommt zur Fibrose – einer Wucherung von Bindegewebe in der Leber. Schreitet diese weiter voran, verliert die Leber nach und nach ihre Funktionsfähigkeit. Das Endstadium der Leberzerstörung heißt Zirrhose. Die Transplantation einer Spenderleber ist dann die einzige Chance zu überleben. Voraussetzung für eine Transplantation ist allerdings eine mindestens 6-monatige Alkoholabstinenz.

Weiterführende Informationen zu einer solchen Transplantation sowie Wissenswertes zu Symptomen, Diagnosemethoden und Behandlungsmöglichkeiten bei Lebererkrankungen enthält die Broschüre „Organtransplantation Leber“, herausgegeben vom Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e.V. Sie ist kostenfrei auf dem Postweg oder über das Internet erhältlich. Bestelladresse: BGV e.V, Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-transplantation.de.

 

(1)     B. Nashan, C. Straßburg, RICHTLINIE ZUR LEBERTRANSPLANTATION - Abstinenzdebatte dauert an, Dt. Äerzteblatt Jahrgang 113, Heft 25, 24. Juni 2016

(2)     Eine 0,33-Liter-Flasche Bier enthält 13 Gramm Alkohol, 200 ml Wein ungefähr 16 Gramm, in einem Glas Likör sind 5 Gramm Alkohol enthalten.