Therapietreue nach Organtransplantation schützt das Transplantat

Fünfe gerade sein lassen? Mit Spenderorgan lieber nicht!

Bonn, 10.11.14 Organtransplantierte können ein fast normales Leben führen. Doch in einem Punkt dürfen sie sich keine Nachlässigkeit leisten: Die Medikamente, die das Spenderorgan vor der Abstoßung schützen, müssen immer streng nach Anweisung eingenommen werden. Mangelnde Sorgfalt bei der Therapie kann das neue Organ schwerwiegend schädigen.

Die meisten Menschen, die ein Spenderorgan erhalten haben, mussten lange darauf warten, oftmals mehrere Jahre. Vor diesem Hintergrund erscheint es selbstverständlich, dass Transplantierte alles tun, damit ihr Spenderorgan lange funktionstüchtig bleibt. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: 36 Prozent aller Spendernieren werden einer Untersuchung1 zufolge abgestoßen, weil die Betroffenen die verschriebenen Medikamente nicht sorgfältig einnehmen. Unter den Jugendlichen mit einer Spenderleber folgen sogar 45 Prozent nicht den Anweisungen des Arztes und setzen dadurch ihre neue Leber aufs Spiel2.

Gründe für mangelnde Sorgfalt: Verständlich, aber lebensgefährlich

Häufig ist diese mangelnde Sorgfalt schlicht den Tücken des Alltags zuzuschreiben: Manche Betroffene lösen das Rezept nicht rechtzeitig ein oder vergessen einfach, ihre Medikamente einzunehmen. Andere haben diese nicht dabei, wenn sie unterwegs sind3 oder finden es schwierig, sich an Veränderungen bei der Medikation oder neue Dosierungen zu gewöhnen. Mitunter entscheiden sich Transplantierte auch ganz bewusst gegen die Therapie, etwa weil sie stark unter Nebenwirkungen leiden oder weil sie sich so gesund fühlen, dass sie die Notwendigkeit einer täglichen Medikamenteneinnahme nicht einsehen. „Das alles ist zwar menschlich, kann aber fatale Folgen haben“, warnt Erhard Hackler, Vorstand des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz in Bonn. „Wer Probleme mit der Therapie hat, sollte keinesfalls eigenmächtig Medikamente absetzen oder die Dosierung verändern, sondern sich seinem behandelnden Arzt anvertrauen.“

Darum dulden transplantierte Organe keine Nachlässigkeit

Damit das Immunsystem eines Transplantierten das Spenderorgan nicht abstößt, muss es mithilfe von Medikamenten heruntergefahren werden. Diese so genannten Immunsuppressiva haben die besondere Eigenschaft, dass sie nur in einem sehr engen Dosierungsbereich richtig wirken. Vergessene Medikamente können dazu führen, dass die Wirkstoffmenge im Blut unter die kritische Marke fällt und beim transplantierten Organ eine Abstoßungsreaktion auftritt. Auf der anderen Seite kann bereits eine leichte Überdosierung schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Aus diesem Grund müssen diese Medikamente  äußerst gewissenhaft und nach einem genauen Therapieplan eingenommen werden. Präparate, die nur einmal am Tag eingenommen werden, kommen daher den meisten Transplantierten entgegen. Darüber hinaus leisten Merkhilfen wie Kalender, Sortierboxen und Handyalarme gute Dienste. Ferner sollten Angehörige und Freunde mithelfen und die Betroffenen darin unterstützen, die ärztlichen Anweisungen einzuhalten. Dazu gehört neben der gewissenhaften Medikamenteneinnahme auch ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, angemessener Bewegung und Nichtrauchen.

Weiterführende Informationen zu den Besonderheiten immunsuppressiver Medikamente sowie praktische Hinweise für Lebertransplantierte enthält die kostenlose Broschüre „Organtransplantation Leber“, postalisch oder im Internet erhältlich beim Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e.V. (BGV), Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-transplantation.de.

(1)    Butler JA et al: Frequency and impact of nonadherence to immunsuppressants after renal transplantation: a systematic review. Transplantation 2004 Mar 15; 77(5): 769-76.

(2)    Berquist RK et al: Non-adherence to post-transplant care: prevalence, risk factors and outcomes in adolescent liver transplant recipients. Pediatr Transplant. 2008 Mar; 12(2): 194-200.

(3)    Gordon EJ et al: Medication-taking among adult renal transplant recipients: barriers and strategies. Transpl Int 2009 May; 22(5): 534-45.