Mehr Sicherheit für Transplantierte und chronisch Kranke

Schluss mit dem Hin und Her bei kritischen Medikamenten

Bonn, 05.03.15 Apotheken dürfen seit Neuestem bestimmte Medikamente nicht mehr gegen ein wirkstoffgleiches Präparat eines anderen Herstellers austauschen. Bislang war dies möglich, wenn damit Kosten eingespart werden konnten. Wollte der Arzt einen solchen Austausch verhindern, musste er dies auf dem Rezept ausdrücklich vermerken. Dies ist nun nicht mehr notwendig; Patienten haben in jedem Fall Anspruch auf ihr gewohntes Präparat. Für Organtransplantierte sowie Patienten mit Herzerkrankungen, Epilepsie oder Schilddrüsenerkrankungen bringt das ein deutliches Plus an Sicherheit.

Konkret handelt es sich um

·         die Herzmedikamente Betaacetyldigoxin, Digitoxin und Digoxin,

·         die Schilddrüsenpräparate Levothyroxin-Natrium und Levothyroxin-Natrium und Kaliumjodid,

·         das Epilepsiemedikament Phenytoin,

·         sowie die Immunsuppressiva Ciclosporin und Tacrolimus, die zum Schutz transplantierter Organe eingesetzt werden.

Für diese Wirkstoffe hat der Gemeinsame Bundesausschuss ein Substitutionsverbot1 verhängt, weil ein ärztlich nicht kontrollierter Wechsel zwischen verschiedenen Präparaten eine Gefährdung der Patienten darstellt. Der Grund: Die betroffenen Wirkstoffe haben eine enge therapeutische Breite. Sie müssen extrem genau dosiert werden – bei kleinsten Abweichungen von der optimalen Dosierung wirken sie nicht richtig oder lösen schwere Nebenwirkungen aus. Zu solchen Abweichungen kann es beispielsweise kommen, wenn der Wirkstoff aufgrund eines anderen Füllstoffs oder einer unterschiedlichen Zusammensetzung der Kapselhülle mit einer anderen Geschwindigkeit oder im anderen Umfang vom Körper aufgenommen wird. Bei den meisten Medikamenten spielen solche minimalen Abweichungen keine Rolle. Bei Arzneistoffen mit enger therapeutischer Breite können die Folgen fatal sein. „Einsparungen im Gesundheitswesen sind wichtig, aber sie dürfen nicht auf Kosten der Sicherheit chronisch kranker und transplantierter Menschen gehen. Daher begrüßen wir diese Entscheidung sehr“, erklärt Erhard Hackler, Vorstand des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e.V.

Weiterführende Informationen speziell zu den Besonderheiten immunsuppressiver Medikamente für Organtransplantierte sowie praktische Hinweise für Menschen mit einer Spenderleber enthält die kostenlose Broschüre „Organtransplantation Leber“, postalisch oder im Internet erhältlich beim Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e.V. (BGV), Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-transplantation.de.

1 Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Abschnitt M und Anlage VII – Hinweise zur Austauschbarkeit von Darreichungsformen (aut idem) gemäß § 129 Absatz 1a SGB V: Bestimmung von Arzneimitteln, deren Ersetzung durch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel ausgeschlossen ist (1. Tranche), https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/2066/

Tragende Gründe für den Beschluss. https://www.g-ba.de/downloads/40-268-2952/2014-09-18_AM-RL-VII_AbschnittM_Substitutionsausschluss_TrG.pdf