Wartezeit

Das Gelingen jeder Organtransplantation hängt ganz wesentlich von der Planung und Vorbereitung ab. Spricht die medizinische Sachlage für eine Transplantation und ist der Patient entschlossen, diesen Schritt zu gehen, wird er künftig in einem Transplantationszentrum betreut. Dort finden zunächst noch einmal umfangreiche medizinische Untersuchungen statt, um die Funktionsfähigkeit aller Organe und den allgemeinen Gesundheitszustand zu kontrollieren. Außerdem werden die Blutgruppe und Gewebemerkmale bestimmt. Anschließend leitet das Transplantationszentrum diese Daten an das EUROTRANSPLANT-Zentrum in Leiden/Holland weiter. Die gemeinnützige Organisation EUROTRANSPLANT vermittelt und koordiniert den internationalen Austausch von Spenderorganen. Sie registriert die medizinischen Daten der Patienten, die ein Spenderorgan benötigen und setzt den Patienten auf die Warteliste. Die Verteilung aller Spenderorgane erfolgt nach strengen, einheitlichen Kriterien

Wie lange dauert es, bis ein Organ für mich gefunden wird?

Sobald ein Spenderorgan zur Verfügung steht, werden die Spenderdaten an EUROTRANSPLANT durchgegeben, dort mit den Daten der registrierten Patienten abgeglichen, so dass der am besten geeignete Empfänger ermittelt werden kann. Grundlegende Voraussetzung für alle Transplantationen ist die Blutgruppenverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger (ABO-Kompatibilität). Bei einer Nierentransplantation sollte es darüber hinaus eine größtmögliche Übereinstimmung der Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) geben, denn damit steigen die Chancen, dass das Immunsystem des Empfängers das fremde Organ toleriert. Bei einer Herztransplantation sollten Größe und Gewicht zum Empfänger passen, damit das Spenderherz die erforderliche Pumpleistung erbringen kann.

Neben diesen Kriterien wird auch die Dringlichkeit berücksichtigt. Das Transplantationzentrum, das einen potenziellen Transplantatempfänger bei Eutransplant anmeldet, gibt immer auch eine Dringlichkeitsstufe an. Eingeteilt wird in "sehr dringlich" (HU - high Urgency) aufgrund einer akut lebensbedrohlichen Situation, "dringlich" (U - Urgency), transplatabel (T) und zur Zeit nicht transplantabel (NT). Als sehr dringlich werden unter anderem Re-Transplantationen behandelt, beispielsweise wenn eine transplantierte Leber sofort wieder abgestoßen wird oder nicht funktioniert.

Bei Patienten der Dringlichkeitsstufen "U" und "T" wird neben der Wartezeit auch die Konservierungszeit berücksichtigt. Der Zeitraum, in dem das zu transplantierende Organ ohne Blutversorgung ist (Ischämie-Zeit) sollte möglichst kurz sein, um eine hohe Qualität des Spenderorgans zu gewährleisten.

Die durchschnittliche Wartezeit beträgt momentan für

  • Niere: 5 bis 6 Jahre¹
  • Leber: 6 - 24 Monate (je nach Blutgruppe und Dringlichkeit)²
  • Herz: 6 - 24 Monate (je nach Blutgruppe und Dringlichkeit)²

Was muss ich in dieser Zeit tun oder beachten?

Der Patient muss während der Wartezeit für das Transplantationszentrum stets erreichbar bleiben und sich darauf einstellen, jederzeit operiert werden zu können. Das Transplantationszentrum kann Auskunft über die aktuelle Position auf der Warteliste geben, genau abschätzen lässt sich der Termin jedoch nicht. Um gut vorbereitet zu sein, finden in regelmäßigen Abständen Untersuchungen statt, damit die Ärzte ein möglichst genaues Bild über den aktuellen Gesundheitszustand haben. Treten während der Wartezeit Infektionen auf, so muss dies dem Transplantationszentrum mitgeteilt werden.

Kommt der erwartete Anruf, dass ein passendes Organ zur Verfügung steht, muss der Patient sich auf dem schnellsten Wege ins Transplantationszentrum begeben. Denn entnommene Organe sind nur begrenzt haltbar und je kürzer der Zeitraum ohne Durchblutung des Organs, um so besser für seine späterer Funktionsfähigkeit. Weiter Verhaltensregeln für die Zeit direkt vor der Operation erhält der Patient vom Transplantationszentrum.

Ein fremder Spender? Woher stammt das Organ?

Grundsätzlich werden zur Transplantation nur die Organe Frischverstorbener oder für Lebendspenden bei Leber und Niere die Organe Verwandter, Verheirateter und Verlobter oder von Personen, die sich "in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen" (§ 8 Absatz 1 Satz 2 TPG) verwendet.

In Deutschland gibt es zudem sehr strenge Gesetze, die sicherstellen, dass nur im Falle eines zweifelsfreien Hirntodes Organe entnommen werden dürfen. Der Hirntod muss von einem Ärzteteam festgestellt werden, das nicht zum Transplantationsteam gehört. Die Befürchtung, dass Organe von einem noch lebenden Menschen entnommen werden, ist unbegründet. Denn durch den totalen und unwiederbringbaren Funktionsausfall des Gehirns findet keine lebensnotwendige Regulation des Herzens, der Atmung oder irgendwelcher Reflexe statt.

In Deutschland ist gesetzlich festgelegt, dass Spender und Empfänger anonym bleiben. Das heißt, der Empfänger wird den Namen des Spenders nicht erfahren. Ebenso erhalten die Verwandten eines Organspenders keine Informationen über den Empfänger.


1: Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)
2: Quelle: Transplantationszentrum Würzburg

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