Therapiesicherheit

Die Möglichkeit, die zur Verfügung stehenden, hochwirksamen Immunsuppressiva gezielt auf den Patienten abstimmen zu können, trägt ganz wesentlich dazu bei, dass die Funktionsfähigkeit des transplantierten Organs langfristig erhalten bleibt. Um diesen Erfolg nicht aufs Spiel zu setzen, muss zu jedem Zeitpunkt der Therapie sichergestellt sein, dass die Wirkstoffe in der vorgesehenen Menge und Kombination ihr Ziel erreichen und die Wirkstoffaufnahme keinen unkalkulierbaren Schwankungen unterliegt.

Die entscheidende Kenngröße zur Festlegung und Kontrolle der Dosierung ist der Blutspiegel. Er beschreibt die Konzentration des Arzneimittels im Körper. Nur wenn ein bestimmter Blutspiegel erreicht ist, wirkt das Medikament. Im Falle der Immunsuppression nach der Transplantation bedeutet dies: Ist der Blutspiegel zu niedrig, so wird die Abstoßungsreaktion nicht ausreichend unterdrückt. Ist der Blutspiegel zu hoch, so steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Die Therapiesicherheit ist folglich nur dann gewährleistet, wenn der Blutspiegel möglichst konstant auf dem effektivsten Wert bleibt.

Wirkstoffe kritischer Dosierung

Die Dosierungsanpassung auf einen exakten Blutspiegel sowie seine regelmäßige Kontrolle haben aus gutem Grund einen so hohen Stellenwert in der Transplantationsnachsorge: Es sind die schwerwiegenden Folgen einer Über- oder Unterdosierung in Verbindung mit der Besonderheit, dass viele der immunsuppressiven Wirkstoffe zu den Medikamenten kritischer Dosierung, den sogenannten Critical-Dose-Pharmaka, gehören. Diese Medikamente weisen nur einen sehr begrenzten therapeutischen Wirkungsbereich auf, das heißt bereits geringe Abweichungen vom angestrebten Blutspiegel gefährden die Therapie.

Da Wirkstoffaufnahme, Wirkungseintritt und -dauer bei jedem Patienten verschieden sind, wird zu festgelegten Zeitpunkten der Medikamentenblutspiegel gemessen und die Dosierung und das Therapieschema genau auf den Patienten angepasst.

Das von den Ärzten im Transplantationszentrum festgelegte Therapieschema sollte strikt eingehalten werden. Eine Umstellung auf andere immunsuppressive Präparate oder eine Veränderung der Therapieschemata ist ohne eine strenge medizinische Überwachung und Kontrolle der Blutspiegel mehr als riskant. Dies gilt auch hinsichtlich wirkstoffgleicher Arzneimittel.

Mittlerweile gibt es zu vielen Arzneimitteln, bei denen der Patentschutz abgelaufen ist, wirkstoffgleiche Nachahmerpräparate, sogenannte Generika. Bei vielen Erkrankungen ist der Einsatz von Generika ohne großes Risiko möglich. Bei Critical-Dose-Medikamenten ist dies jedoch problematischer. Denn allein durch die unterschiedliche Verarbeitung und die Verwendung verschiedener Hilfsstoffe kann die Wirkstoffaufnahme von Original- und Nachahmerpräparat stark voneinander abweichen. Aus diesem Grund ist es erforderlich, dass nach jedem Präparatewechsel Dosierung und Therapieschema neu bestimmt werden. Für Patienten, die im Transplantationszentrum auf Medikamente eingestellt wurden und diese gut vertragen, ist ein Wechsel der Medikation ein unnötiges Risiko.

   Weitere Informationen zu Originalpräparaten und Generika

Compliance

Ein weiterer wichtiger Aspekt, ohne den ein langfristiger Therapieerfolg nicht erreicht werden kann, ist die Mitarbeit des Patienten und seine Bereitschaft, sich an den Therapieplan zu halten und die Medikamente exakt einzunehmen. Die Therapietreue, in der Fachsprache als Compliance oder Adhärenz bezeichnet, fällt einigen Patienten schwer. Insbesondere wenn über einen langen Zeitraum, oder, wie nach einer Transplantation, ein Leben lang, feste Therapiepläne eingehalten werden müssen.

Faktoren, die die Compliance beeinflussen:
  • Lebensumstände des Patienten
    Alter, Lebensstil/Tagesablauf, Bequemlichkeit/Vergesslichkeit, soziale Situation, psychische Erkrankungen
  • Therapieabhängige Faktoren
    Häufigkeit der Einnahme, Anzahl der einzunehmenden Medikamente, Handhabung der Medikamente, Einnahmezeitpunkte (z. B. immer vor den Mahlzeiten), Angst vor Nebenwirkungen
  • Faktoren der medizinischen Betreuung
    Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, Aufklärung über die Erkrankung, Aufklärung über Wirkung und Nebenwirkung der Therapie, Aufklärung über Folgen mangelnder Compliance

Die Gründe dafür, dass Patienten von ärztlichen Empfehlungen abweichen, sind vielfältig. Häufig ist es Nachlässigkeit, dass z. B. Fehler bei der Tabletteneinnahme auftreten. Oder aber das Therapieschema ist so kompliziert, dass der Patient Schwierigkeiten hat, es zu befolgen. Angesichts der Bedeutung für den Therapieerfolg ist es jedoch ganz wichtig, Wege zu finden, die die Compliance verbessern. Jeder transplantierte Patient sollte sich vor Augen führen, wie wichtig das genaue Einhalten der verordneten Dosis und des Einnahmezeitpunktes ist. Das heißt er muss versuchen, sich zu einer disziplinierten Einnahme zu motivieren oder Strategien zur Vermeidung von Einnahmefehlern entwickeln. Gegen die Vergesslichkeit helfen z. B. Erinnerungssignale oder gut sichtbar platzierte Einnahmepläne. Auch eine Tablettenbox, in der alle Tabletten nach Einnahmezeiten vorsortiert werden, ist eine gute Hilfe und zugleich Kontrolle über die bereits eingenommenen Medikamente.

Liegt die mangelnde Therapietreue an zu komplizierten Einnahmeplänen und ist der Patient damit überfordert, so sollte er dies unbedingt mit seinem Arzt besprechen. Möglicherweise lässt sich ein einfacheres Therapieschema finden und die Zahl der täglich einzunehmenden Medikamente reduzieren und somit die Compliance zu verbessern. So gibt es z. B. Arzneimittel, die nur einmal pro Tag eingenommen werden müssen. Die Umstellung der Medikation erfolgt auch in diesem Fall selbstverständlich unter strenger Kontrolle der Blutspiegel.


Der optimale Blutspiegel wird nur bei hoher Therapietreue, d. h. exakter Dosierung und Einnahme erreicht.

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