Organtransplantierte müssen
Medikamente genau nach Anweisung nehmen
Schon kleine
Nachlässigkeiten gefährden Spenderorgan
Bonn, 10.02.10 Organtransplantierte
müssen ihre Medikamente zum Schutz des Spenderorgans genau nach Anweisung
einnehmen. Denn schon kleine Vergesslichkeiten oder Fehler bei der Dosierung
können bewirken, dass das neue Organ abgestoßen wird.
Jedes Jahr erhalten in Deutschland
rund 4.000 Menschen ein Spenderorgan. Nicht alle von ihnen können sich
dauerhaft darüber freuen; ein Teil der Transplantierten verliert das neue Organ
wieder – entweder kurz nach der Operation oder im Laufe der Jahre. Besonders
tragisch ist es, wenn dies aus Nachlässigkeit geschieht: 36 Prozent aller
Spendernieren werden einer Untersuchung1 zufolge
abgestoßen, weil die Betroffenen ihre Medikamente nicht sorgfältig einnehmen. Vor
allem jugendliche Transplantierte sind gefährdet; Studien2 zeigen, dass 45 Prozent der Jugendlichen mit einer
Spenderleber nicht den Anweisungen des Arztes folgen und dadurch ihre neue
Leber aufs Spiel setzen.
Kleine Fehler mit fatalen Folgen
Transplantierte können heutzutage
praktisch ein normales Leben führen – mit einer Ausnahme: Sie müssen für den
Rest ihres Lebens Medikamente einnehmen, die das Spenderorgan vor der Abstoßung
durch das körpereigene Abwehrsystem schützen. Diese so genannten Immunsuppressiva haben die besondere Eigenschaft, dass sie
nur in einem sehr engen Dosierungsbereich richtig wirken. Schon eine vergessene
Tablette kann dazu führen, dass die Wirkstoffmenge im Blut unter die kritische
Marke fällt und beim transplantierten Organ eine Abstoßungsreaktion auftritt.
Auf der anderen Seite kann bereits eine leichte Überdosierung schwere
Nebenwirkungen hervorrufen. Merkhilfen wie Kalender, Sortierboxen und
Erinnerungssignale tragen dazu bei, dass solche folgenschweren Irrtümer unterbleiben.
Doch nicht immer ist es Vergesslichkeit, die zu Fehlern bei der
Medikamenteneinnahme führt; mitunter geschieht dies auch ganz bewusst. So fühlen
sich manche Patienten durch Nebenwirkungen der Medikamente derart belastet,
dass sie diese eigenmächtig absetzen oder die Dosis verringern. Bei anderen ist
der Gesundheitszustand so gut, dass sie die Notwendigkeit einer täglichen
Medikamenteneinnahme nicht einsehen. „Ein solches Verhalten kann fatale
gesundheitliche Folgen haben“, warnt Erhard Hackler, Vorstand des
Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz. „Wem das
Vertrauen in die Therapie fehlt, der sollte keinesfalls auf eigene Faust handeln,
sondern mit seinem Arzt über Zweifel und Ängste sprechen. Oftmals bewirkt schon
ein ausführliches Gespräch Wunder, andernfalls helfen vielleicht ein paar
praktische Tipps weiter.“ Darüber hinaus sollten Angehörige und Freunde einen
Teil der Verantwortung mittragen und die Betroffenen darin unterstützen, die ärztlichen
Anweisungen einzuhalten und die notwendigen Medikamente gewissenhaft
einzunehmen.
Weiterführende Informationen zu
den Besonderheiten immunsuppressiver Medikamente sowie praktische Hinweise für
Transplantierte und ihre Angehörigen enthält die Broschüre „Zurück im Leben“,
herausgegeben vom Bundesverband für Gesundheitsinformation und
Verbraucherschutz e.V. Die Broschüre ist kostenlos und kann auf dem Postweg
oder im Internet angefordert werden: BGV e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-transplantation.de. Im Internet steht
die Broschüre auch als Download zur Verfügung.
1 Butler JA, Roderick P, Mullee M, Mason C, Peveler
RC: Frequency and impact of nonadherence to immunsuppressants after renal transplantation: a systematic
review. Transplantation 2004 Mar 15; 77(5): 769-76.
2 Berquist RK, Berquist WE, Esquivel CO, Cox KL, Wayman
KI, Litt IF: Non-adherence to post-transplant care:
prevalence, risk factors and outcomes in adolescent liver transplant
recipients. Pediatr Transplant. 2008 Mar; 12(2):
194-200.