Lebendspende

Welche Vorteile bietet die Lebendspende?

Der Mangel an Organspenden nach dem Tode und der steigende Bedarf an Transplantationen führt zu langen Wartezeiten. Für einige Patienten dauert es zu lange, bis ein passendes Spenderorgan zur Verfügung stehen könnte. Für sie käme möglicherweise eine Lebendorganspende in Frage. Bestimmte Organe oder Organteile können, ohne dass der Spender gesundheitliche Beeinträchtigungen zu fürchten hat, bereits zu Lebzeiten gespendet werden. Ein gesunder Mensch kann beispielsweise eine Niere spenden, da seine zweite Niere diesen Verlust ausgleicht. Ebenso ist es möglich, einen Teil der Leber, der Lunge oder eventuell des Dünndarms zu spenden. Durch das Transplantationsgesetz wurde der rechtlichen Rahmen für die Lebendspende geschaffen.

Der größte Vorteil einer Lebendspende liegt sicherlich darin, dass auf diese Weise lange Wartezeiten vermieden werden können. Abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten kann die Transplantation unter geplanten Bedingungen und zu einem für alle Beteiligten günstigen Zeitpunkt durchgeführt werden. Die Möglichkeit, sich auf einen konkreten Termin des Eingriffs vorbereiten zu können und nicht Wochen, Monate oder Jahre auf Abruf auf ein Organ zu warten, bedeutet natürlich auch eine seelische Entlastung für den Empfänger und seine Familie.

Im Jahr 2012 wurden bereits 29,6 Prozent aller Nierentransplantationen in Deutschland nach einer Lebendspende vorgenommen (Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)). Die Transplantatfunktionsraten nach Nierenlebendspenden (Grafik) sind exzellent und liegen deutlich über denen nach postmortaler Organspende. Dabei gilt: Je enger der Verwandtschaftgrad, desto besser das Resultat. Auch die Lebendspenden von nicht blutsverwandten Personen weisen eine hohe Erfolgsquote auf. Ein Grund dafür ist die kurze Ischämiezeit (=Zeit, in der das Organ sich außerhalb des Körpers befindet und nicht durchblutet wird).

Bei Lebertransplantationen lag der Anteil der Lebersegment-Lebendspenden im Jahr 2010 bei etwa 7 Prozent. Besonders häufig stellen sich dabei Eltern als Spender für ihre erkrankten Kinder zur Verfügung. Die Erfolgsquoten nach der Transplantation einer Lebersegment-Lebendspende liegen geringfügig über denen einer postmortalen Organspende.

Wer kann ein Organ spenden?

Als Spender kommen nahe Verwandte einer erkrankten Person in Frage. Am höchsten ist die Motivation für Eltern, ihrem Kind ein Organ zu spenden. Aber auch Geschwister oder Großeltern können sich zur Lebendspende bereit erklären. Lediglich das Weitergeben eines Organs vom Kind an die Eltern wurde in Deutschland bislang nur in Einzelfällen durchgeführt, da hierdurch "die natürliche Richtung des Weitergebens" auf den Kopf gestellt wird.

Spender und Empfänger können aber auch Lebenspartner in einer stabilen Beziehung oder langjährige, enge Freunde sein. Anfängliche Zweifel, dass bei nicht verwandten Personen die Gewebeverträglichkeit zu schlecht sei, bestehen angesichts der guten Resultate, die bei einer solchen Lebendspende erzielt wurden, nicht mehr. Die Organspende darf nur erfolgen, wenn für den Empänger zum Zeitpunkt der Transplantation kein anderes geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht.

Der Gesetzgeber verlangt, dass eine Spende freiwillig von einer volljährigen und einwilligungsfähigen Person erfolgt. Dies wird unter anderem durch das Votum einer Kommission festgestellt, die zur Frage der Freiwilligkeit Stellung nehmen und einen verbotenen Organhandel ausschließen soll. Neben rechtlichen Voraussetzungen muss eine medizinische Untersuchung klären, ob der Spender geeignet ist ( z.B. Blutgruppenverträglichkeit). Auch bestimmte Erkrankungen des Spenders können dazu führen, dass die Organspende für den Spender oder den Empfänger ein zu großes gesundheitliches Risiko darstellt.

Welche Risiken birgt die Operation?

Jeder, der sich als Spender zur Verfügung stellt, wird über die Risiken des Eingriffs aufgeklärt und muss sich auch über die möglichen Gefahren, welche die Narkose und Operation mit sich bringen, bewusst sein.

Was die Lebendnierenspende betrifft, so gilt im Allgemeinen die Nierenentnahme für den Spender als ungefährlich und seine Genesungsaussichten sind sehr gut. Das Risiko, an den Folgen einer Nierenentnahme zu sterben, ist mit 0,03 bis 0,06 % äußerst gering. Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können Komplikationen auftreten. Dazu gehören z. B. Wundinfekte, Harnwegsinfekte, Venenentzündungen und vereinzelt auch Lungenembolien oder Wundblutungen. All dies ist in aller Regel gut behandelbar und bleibt ohne Langzeitfolgen. Als Spätkomplikationen können Schmerzen oder Gefühllosigkeit im Narbenbereich auftreten. Im Normalfall muss der Spender jedoch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen fürchten und die verbliebene Niere übernimmt weitgehend die Funktion der entfernten Niere mit.

Die Daten zur Lebersegmentspende sind bei weitem nicht so umfangreich wie bei Lebendnierenspenden, dennoch kann man bereits sagen, dass die Risiken für den Spender sehr gering sind. In seltenen Fällen treten Komplikationen wie Nachblutungen, Eiteransammlungen oder ein Galle-Leck auf. Komplikationen mit tödlichem Verlauf sind bislang bei etwa 0,17 % dokumentiert. Bei normalen Operations- und Heilungsverlauf sind keine gesundheitlichen Einbußen zu erwarten. Da sich gesunde Lebermasse nachbildet, wird bereits nach kurzer Zeit die Leber ihre ursprüngliche Funktionsfähigkeit erreichen.

Wie lange dauert die Genesung nach der OP?

In der Regel muss der Spender 10 bis 14 Tage im Krankenhaus verbleiben. Nach vier bis sechs Wochen Schonung sind die meisten arbeitsfähig. Wer in seinem Beruf schwere Lasten heben muss, sollte sechs bis acht Wochen krankgeschrieben werden. Die vollständige Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit ist innerhalb von 2 Monaten nach der Operation zu erwarten.

Rechtliches

Wem darf ich ein Organ spenden?

Die gesetzliche Regelung der Lebendspende ist im Transplantationsgesetz (TPG) vom 5.11.1997 verankert und wurde durch das Änderungsgesetz zum Transplantationsgesetz am 1.08.2012 angepasst. Der Gesetzgeber ist bestrebt, dass die Organspende freiwillig und nach reiflicher Überlegung geschieht. Daher erlaubt er nur Verwandten, Verheirateten und Verlobten oder Personen, die sich "in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen" (§ 8 Absatz 1 Satz 2 TPG) die Lebendspende.

Wer bezahlt die Kosten einer Lebendspende?

Die Kosten für die medizinische Untersuchung, Operation und Nachsorge zahlt die Krankenkasse des Empfängers, die letztendlich durch eine gelungene Transplantation Geld spart. Die Lohnfortzahlung ist ebenfalls durch die Krankenkasse des Empfängers gewährleistet.

Gibt es eine Versicherung für den Spender?

Der Spender hat Anspruch auf die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Unfallversicherung bezieht sich dabei auf alle Gesundheitsschäden des Spenders, die im ursächlichen Zusammenhang mit der Organspende stehen.

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