

Nach schwerer Krankheit und Wochen intensiver Vorbereitung ist der erste Schritt zurück ins Leben geschafft: Die Operation ist geglückt, das Spenderorgan ist erfolgreich übertragen worden und nimmt seine Funktion auf. Nach und nach wird sich der Gesundheitszustand weiter stabilisieren und mit wachsender Leistungsfähigkeit kann der transplantierte Patient wieder mehr und mehr am normalen Leben teilnehmen.
Die gesundheitlichen Perspektiven sind heute gut. Wesentliche Voraussetzung hierfür ist die lebenslange Nachsorge und dass der Patient den Erfolg der Transplantation nicht leichtfertig aufs Spiel setzt.
Zur lebenslangen Nachsorge gehört es, dass der Transplantierte seiner Gesundheit nach wie vor Aufmerksamkeit schenkt, dass er regelmäßig die empfohlenen Nachsorgeuntersuchungen einhält, bei gesundheitlichen Problemen sofort seinen Arzt aufsucht und vor allem, dass er die verordneten Medikamente wie vorgeschrieben einnimmt.

Das Leben mit einem fremden Organ ist ohne die lebenslange Einnahme von Medikamenten nicht möglich. Die Medikamente verhindern die natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen körperfremdes Gewebe und sorgen dafür, dass das neue Organ funktionsfähig bleibt. Denn normalerweise setzt unser körpereigenes Abwehrsystem (Immunsystem), sobald es körperfremde Substanzen identifiziert hat, Abwehrmechanismen in Gang. Dies dient u. a. dem Schutz vor Krankheitserregern wie z. B. Bakterien, Viren oder Pilzen. Auch das neue Organ wird als fremd erkannt und die darauf folgende Immunreaktion würde zu einer Abstoßung führen. Hochwirksame Medikamente können dies verhindern, in dem sie die Reaktion des Immunsystems unterdrücken. Entsprechend werden diese Medikamente als Immunsuppressiva bezeichnet, die medikamentöse Therapie heißt Immunsuppression.
T-Zellen, die zur Gruppe der weißen Blutkörperchen gehören, spielen bei der Immunabwehr eine wichtige Rolle. Sie besitzen auf ihrer Oberfläche sogenannte Rezeptoren für Fremdstoffe (Antigene). Das bedeutet, über diese Rezeptoren werden u. a. Gewebemerkmale körperfremder Zellen erkannt und an die T-Zelle gebunden. Neben diesem Erkennungssignal erhält die T-Zelle über andere Rezeptoren weitere Signale (Sekundärsignale) vom Fremdgewebe, was insgesamt zur Aktivierung der T-Zelle führt. Die T-Zelle schüttet nun Botenstoffe aus und gibt damit anderen Immunzellen ein Signal, die körperfremde Zelle zu bekämpfen. Durch die Immunsuppression wird diese Reaktionskette durchbrochen.
Eine Abstoßungsreaktion beziehungsweise das Versagen des neuen Organs kann zu jeder Zeit nach der Transplantation einsetzen. In den ersten Tagen und Wochen nach der Operation besteht die Gefahr einer akuten Abstoßung. Sie kann heutzutage dank engmaschiger Kontrollen und der Gabe hoch wirksamer Immunsuppressiva gut behandelt werden.
Später bleibt stets das Risiko für eine chronische Abstoßung, also einer anhaltenden, nicht immer offensichtlichen Schädigung, die zu einem schleichenden Funktionsverlust des Organs führen kann. Um auch dies in den Griff zu bekommen ist eine dauerhafte Immunsuppression erforderlich, die stets der individuellen Risikosituation des Patienten angepasst werden muss.
Die optimale Immunsuppression ist eine Gratwanderung nach dem Prinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Auf der einen Seite müssen die Medikamente die drohende Organabstoßung wirkungsvoll verhindern, auf der anderen Seite darf das Immunsystem auch nicht vollständig unterdrückt werden. Es gilt, die Abwehrfähigkeit des Organismus bestmöglich aufrechtzuerhalten, ansonsten wäre der Körper schutzlos allen Krankheitserregern ausgeliefert und selbst ein harmloser Schnupfen könnte dramatische Folgen haben.
Bislang ist es nicht möglich, das Immunsystem so gezielt zu beeinflussen, dass nur ganz bestimmte Abwehrreaktionen unterdrückt werden. Deshalb kann es in Folge der Immunsuppression zu mehr oder minder schweren Nebenwirkungen kommen, die im Rahmen der Therapiekontrolle stets mit überwacht werden.

So ist das geschwächte Immunsystem besonders anfällig gegenüber Infektionen, die durch Viren, Bakterien oder Pilze ausgelöst werden. Dies gilt insbesondere in der Frühphase nach der Transplantation, wenn zur Verhinderung der akuten Abstoßung die Medikamente höher dosiert eingenommen werden müssen. Deshalb sollten während dieser Zeit besonders strenge Hygienevorschriften beachtet werden.
Eine schwerwiegende Folge der dauerhaften Immunsuppression ist ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten. Dies gilt insbesondere für Hautkrebs- und Krebserkrankungen, bei deren Entstehung Viren eine Rolle spielen. Die genauen Zusammenhänge zwischen Tumorentstehung und Immunsystem sind nicht bis ins Detail bekannt. Man weiß, dass das Immunsystem prinzipiell in der Lage ist, veränderte (entartete) Zellen zu erkennen und zu bekämpfen. Bei geschwächtem Immunsystem ist das Risiko, dass sich die Krebszellen unkontrolliert vermehren, erhöht.
Neben diesen grundsätzlich möglichen Folgen einer Immunsuppression können weitere Nebenwirkungen auftreten, die von der Dosierung und Wirkweise der einzelnen Präparate abhängen. Hier ist es Aufgabe des Arztes, durch geeignete Wahl und Kombination der zur Verfügung stehenden Immunsuppressiva, die Therapie den Bedürfnissen und Besonderheiten des Patienten anzupassen.
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