Organtransplantation Herz

Indikationen für eine Transplantation

Nach der Diagnose einer Herzerkrankung steht eine ganze Reihe therapeutischer Maßnahmen und Mittel zur Verfügung, mit denen die Störungen ausgeglichen und behandelt werden kann. Dazu gehören die Umstellung mancher Lebensgewohnheiten, die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die z. B. den Blutdruck senken, die Fließgeschwindigkeit des Blutes verändern oder den Sauerstoffbedarf des Herzmuskels reduzieren, sowie chirurgische Eingriffe. So lassen sich durch eine Ballondilatation oder Bypassoperation verengte Gefäße weiten beziehungsweise überbrücken. Auch viele Herzklappenfehler können operativ korrigiert werden.

Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen ist der Einsatz eines künstlichen Herzschrittmachers sinnvoll, z. B. eines Defibrillators (ICD) bei ventrikulärer Tachykardie oder Kammerflimmern.

Erst wenn all diese Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Diagnose „Herzkrankheit im Endstadium“ lautet, werden die Möglichkeiten einer Herztransplantation geprüft. Eine Herztransplantation wird in der Regel nur dann in Erwägung gezogen, wenn der Allgemeinzustand des Patienten stabil ist und die anderen Organe so leistungsfähig sind, dass sie den Eingriff gut verkraften. Aus diesem Grund hat man auch eine Altersgrenze für die Herztransplantation festgelegt. Sie liegt derzeit bei 70 Jahren, wobei im Einzelfall die tatsächlichen Alterungssymptome der Organe berücksichtigt werden (biologisches Alter).

Bei manchen Krankheitsbildern ist eine Transplantation nicht sinnvoll, da auch das neue Organ innerhalb kürzester Zeit so geschädigt wird, dass es versagt. Dies kann beispielsweise bei einem stark erhöhten Gefäßwiderstand der Lungenarterie der Fall sein, an den sich das implantierte Herz nicht anpassen kann, oder wenn eine schwere Arteriosklerose in den großen Arterien in Becken, Hals oder Beinen vorliegt.

Eine Herztransplantation wird in Betracht gezogen, wenn ein Patient an fortgeschrittenem Herzversagen leidet, das durch andere therapeutische Maßnahmen nicht mehr zu bessern ist. Fast 50 Prozent der Transplantationspatienten leiden nach mehreren ausgedehnten Herzinfarkten an einer ischämischen Kardiomyopathie, dem Endstadium der koronaren Herzkrankheit. Bei etwa ebenso vielen Patienten liegt eine dilatative Kardiomyopathie vor, oft nach einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Seltener sind Herzklappenfehler oder angeborene Herzfehler.

Herztransplantation

Die erste erfolgreiche Herztransplantation, die der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard unter großem Medieninteresse am 3.12.1967 in Kapstadt durchgeführte, war eine Sensation. Heute, über 46 Jahre später ist der Eingriff deutlich weniger spektakulär. Allein in Deutschland werden jedes Jahr zwischen 300 und 400 Herztransplantationen durchgeführt (Quelle: Eurotransplant). Dank verbesserter Operationstechniken, optimaler Vorbereitung und Anschlussbehandlung des Patienten sind die Risiken einer Herztransplantation heutzutage überschaubar und die Erfolgsaussichten vielversprechend. So sind die Prognosen hinsichtlich der Lebenserwartung nach einer Herztransplantation deutlich besser, als bei ausgeprägter Herzmuskelpumpschwäche (Herzinsuffizienz).

Vorbereitungszeit/Wartezeit

Zur Vorbereitung auf die Herztransplantation werden die Patienten an ein Transplantationszentrum überwiesen und dort noch einmal eingehend untersucht. Alle medizinischen Daten, einschließlich Blutgruppe und Dringlichkeitsstufe werden an das EUROTRANSPLANT-Zentrum in Leiden/Holland weitergeleitet. Die gemeinnützige Organisation EUROTRANSPLANT vermittelt und koordiniert den internationalen Austausch von Spenderorganen. Sie registriert die medizinischen Daten des Patienten und setzt ihn auf die Warteliste.

Sollte sich die Funktionsfähigkeit des Herzens währenddessen dramatisch verschlechtern, kann es notwendig sein, dass ein künstliches Herz eingepflanzt wird. Diese implantierte Blutpumpe, die den schwachen Kreislauf des Patienten unterstützen und die Versorgung der übrigen Organe gewährleisten soll, ist nur zur Überbrückung der Wartezeit gedacht und arbeitet in der Regel nur über einen begrenzten Zeitraum verlässlich.

Die Verteilung aller Spenderorgane durch EUROTRANSPLANT erfolgt nach strengen, einheitlichen Richtlinien. Grundlegende Voraussetzung für die Eignung eines Spenderherzens ist die Blutgruppenverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger (AB0-Kompatibilität). Außerdem sollten Größe und Gewicht ungefähr übereinstimmen, damit das Spenderherz die erforderliche Pumpleistung erbringen kann. Auch der Zeitraum zwischen Entnahme und Transplantation des Organs ist wichtig. Das Spenderherz sollte längstens vier Stunden ohne Blutversorgung bleiben, da ansonsten das Herzgewebe mangels Sauerstoff Schaden leidet.

Operation

Sobald ein Spenderherz zur Verfügung steht, werden sein Zustand und seine Funktionsfähigkeit eingehend geprüft. Zeitgleich beginnen die letzten Operationsvorbereitungen für den Transplantatempfänger. Der Eingriff dauert mehrere Stunden. Nachdem der Brustkorb geöffnet und freigelegt ist, wird der Blutkreislauf an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die während der Operationszeit die Funktionen von Herz und Lunge übernimmt. Jetzt beginnt die eigentliche Verpflanzung: Die Chirurgen trennen das kranke Herz von den großen Gefäßen, also der unteren und oberen Hohlvene, der Lungenschlagader und -vene sowie der Aorta und schließen das gesunde Spenderherz entsprechend wieder an diese Gefäße an. Hat das neue Herz seine Pumpfunktion aufgenommen, kann die Herz-Lungen-Maschine abgestellt werden. Anschließend wird der Brustkorb mit Drähten verschlossen. Eine etwa 30 Zentimeter lange Narbe wird als äußeres Zeichen dieses Eingriffs zurückbleiben.

Nach der Operation erwacht der Patient auf der Intensivstation. Hier werden seine Herz-, Lungen- und Kreislauftätigkeit streng überwacht und Herzfunktion, Puls und Blutdruck ständig über einen Monitor kontrolliert. Außerdem finden regelmäßig Blutuntersuchungen, EKG- und Ultraschallkontrollen statt. Erst wenn die Kreislauf- und Lungenfunktion ganz stabil sind, kann das Beatmungsgerät, das zunächst die Atmung des Patienten unterstützt, entfernt werden. Dies ist in der Regel innerhalb der ersten 12 Stunden nach der Operation der Fall.

Nach der Transplantation

In den ersten Stunden und Tagen nach der Transplantation gilt neben der Überprüfung der Funktionsfähigkeit und Pumpleistung des neuen Herzens ein besonderes Augenmerk der Kontrolle des Immunsystems. Damit das Immunsystem keine Abwehrreaktion gegen das fremde Organ einleitet müssen immunsuppressiven Medikamente verabreicht werden. Dadurch ist jedoch auch die Infektionsanfälligkeit des Patienten erhöht, so dass besonders strenge Hygienevorschriften gelten. Diese können ein bis zwei Wochen nach der Transplantation, wenn sich der Patient auf der Normalstation im Krankenhaus weiter erholt, gelockert werden, sodass schrittweise eine Anpassung an ein "normales" Lebensumfeld erfolgt. Um nach und nach die körperliche Leistungsfähigkeit und Fitness zurückzuerlangen, schließt sich dem Krankenhausaufenthalt, der je nach Verlauf zwischen drei und sechs Wochen dauern kann, eine Rehabilitation in einer kardiologischen Reha-Klinik an.

Immunsuppression

Ein wesentlicher Bestandteil der Nachsorgeuntersuchungen ist die exakte Überprüfung und Einstellung der immunsuppressiven Medikamente, ohne die das Leben mit einem fremden Organ nicht möglich ist. In den ersten Wochen werden die Medikamente hoch dosiert eingesetzt, um eine frühe Abstoßungsreaktion zu verhindern. Später muss in der Erhaltungstherapie die Zusammenstellung und Dosierung der Medikamente individuell neu abgestimmt und regelmäßig überprüft werden. Dabei verfährt man nach dem Prinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Auf der einen Seite muss eine effektive Therapie gegen die Organabstoßung gewährleistet sein, auf der anderen Seite gilt es, die Abwehrfähigkeit des Organismus bestmöglich aufrechtzuerhalten, um die möglichen Nebenwirkungen durch ein geschwächtes Immunsystem zu reduzieren. Am besten gelingt dies, indem Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen kombiniert werden, die in ganz unterschiedlichen Phasen die Abwehrreaktionen des Immunsystems beeinflussen.

Nach einer Herztransplantation kommen Medikamente aus den Wirkstoffgruppen Calcineurinhemmer, Corticosteroide, Zellteilungshemmer sowie Antikörper zum Einsatz.

Siehe auch Optimale Immunsuppression

Medizinische Nachsorge

Eine Abstoßungsreaktion beziehungsweise das Versagen des Organs kann zu jeder Zeit nach der Transplantation einsetzen. Während in den ersten Monaten die Gefahr einer akuten Abstoßung besonders groß ist, besteht später vor allem das Risiko einer chronischen Abstoßung, also einer schleichenden Funktionseinbuße des Organs. Gründe hierfür sind zumeist Ablagerungen (Arteriosklerose) und Wucherungen. Sie führen zu einer Verengung der Herzkranzgefäße, die langfristig das transplantierte Herz schwächt. Um Hinweise auf einen drohenden Transplantatverlust frühzeitig zu erkennen, sind auch nach der Krankenhausentlassung engmaschige Kontrollen notwendig. Anfangs werden in kürzeren Abständen Herzmuskelbiopsien durchgeführt. Dabei werden winzige Gewebeproben aus der Herzinnenseite entnommen und mikroskopisch untersucht, sodass sich Zellveränderungen feststellen lassen. Die erste Biopsie erfolgt oft wenige Tage nach der Operation im Transplantationszentrum. Etwa ein Jahr nach der Transplantation ist eine Herzkatheteruntersuchung vorgesehen, damit kleinste Veränderungen der Herzkranzgefäße erkannt und größere Schäden am transplantierten Herz verhindert werden.

Darüber hinaus überprüft der weiterbehandelnde Hausarzt regelmäßig mittels Ultraschall (Echokardiographie) und Elektrokardiogramm (EKG) die Leistungsfähigkeit des Herzens und kontrolliert die Blutwerte. Außerdem wird dem Patienten die Selbstkontrolle empfohlen. Er sollte einmal täglich sein Gewicht, Blutdruck, Puls und Temperatur messen und die Ergebnisse protokollieren. Abweichungen von den Normwerten, z. B. Gewichtszunahme, hoher Blutdruck, erhöhte Temperatur, können erste Anzeichen sowohl für eine Infektion als auch für eine Abstoßung sein.

Langzeitprognosen

Die allermeisten Patienten können, nachdem sie sich von den Strapazen der Operation erholt haben, ein weitgehend normales Leben führen und berichten über eine deutliche Verbesserung ihrer körperlichen und seelischen Verfassung. Zu diesem neuen Leben gehören jedoch eine konsequente medikamentöse Therapie und regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sowie ein herzgesunder Lebensstil.

Siehe auch Der Alltag danach

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