Zurück im Leben - Der Alltag danach

Nach der Transplantation wird mit steigender körperlicher Leistungsfähigkeit die Rückkehr in ein aktives Leben möglich. Die Krankheit wird nicht mehr so unmittelbar im Mittelpunkt stehen. Auch wenn der Patient nach wie vor Rücksicht auf seine Gesundheit nehmen muss, sind deutliche Einschränkungen im Alltag in den meisten Fällen nicht erforderlich. Oberstes Gebot ist, alles zu vermeiden, was das neue Organ gefährden oder das Immunsystem belasten könnte. Ansonsten gelten für Transplantierte wie für Nichttransplantierte die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise.

Ernährung

Die Ernährungsempfehlung für alle lautet: Die Nahrung sollte ausgewogen und vitaminreich sein und möglichst wenig Fett, Cholesterin und Zucker enthalten. Eine spezielle Diät für Transplantierte gibt es nicht. Viele Patienten nehmen allerdings nach der Transplantation an Gewicht zu. Dies ist u. a. eine der Nebenwirkungen der Medikamenteneinnahme, insbesondere der Corticosteroide. Um Übergewicht und damit ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Diabetes zu vermeiden, sollte das Gewicht regelmäßig kontrolliert und auf fettreiches Essen verzichtet werden. Außerdem ist es wichtig, viel zu trinken. Ideal sind zwei bis drei Liter pro Tag, möglichst ungesüßte Getränke wie Mineralwasser oder Tee.

Vorsicht ist bei Säften mit einem hohen Gehalt an Fruchtsäuren angeraten, da diese bei gleichzeitiger Einnahme von Ciclosporin, Sirolimus oder Tacrolimus zu einer Erhöhung der Medikamentenspiegel führen und damit unerwünschte Nebenwirkungen provozieren können. Achtung: Grapefruit ist absolut kontraindiziert!

Hygiene - Schutz vor Infektionen

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte in der Küche und bei der Essenszubereitung auf Hygiene geachtet werden. Frisches Obst und Gemüse muss vor dem Essen gründlich gewaschen aber nicht lange gewässert werden. Als Schutz vor Salmonellen müssen Fleisch und Fisch stets gut durchgegart sein, Eier dürfen nur in gekochter Form, also auch nicht in frischer Mayonnaise oder Tiramisu, verzehrt werden. Alle Lebensmittel, die geringe Schimmelspuren aufweisen oder möglicherweise verdorben sein könnten, müssen sofort entsorgt werden.

Die Hygienevorschriften sind auch in anderen Bereichen etwas strenger. Mögliche Infektionsherde gilt es zu meiden, dennoch ist ein steriles Umfeld nicht erforderlich.

Sorgfältige Körperpflege und regelmäßiges Händewaschen sind selbstverständlich. Da sich Pilzinfektionen infolge der immunsuppressiven Medikamente leichter ausbreiten können, müssen Haut, Fuß- und Fingernägel regelmäßig nach möglichem Pilzbefall untersucht werden. Besonders aufmerksam sollte man nach dem Besuch von Sauna und öffentlichen Schwimmbädern sein. Zum Schutz vor Infektionen muss die Haut nach dem Baden oder Duschen stets gut abgetrocknet werden.

Bei Hautwunden oder Akne, die durch cortisonhaltige Medikamente verstärkt auftreten kann, muss der Heilungsprozess genau beobachtet werden. Rötungen und Schwellungen weisen auf eine Infektion hin und sollten von einem Arzt untersucht werden.

Mitmenschen, die an einer Infektionskrankheit leiden, geht ein immungeschwächter Patient am besten aus dem Weg. In der Grippe- und Erkältungszeit sind größere Menschenansammlungen eine mögliche Infektionsquelle.

Nicht nur Mitmenschen, auch Tiere können Überträger von Krankheitserregern sein. Deshalb sollte man in den ersten Monaten nach der Transplantation den Kontakt zu Tieren meiden und auch später möglichst Distanz halten.

Außerdem können Topfpflanzen ein Risiko darstellen, da sich in der Blumenerde häufig Schimmelpilze ausbreiten.

Medikamenteneinnahme

Die Therapie jeder Erkrankung muss mit der Transplantationsnachsorge abgestimmt werden. Jedes Medikament – ob Kopfschmerztablette oder Hustensaft, einschließlich pflanzlicher und homöopathischer Mittel – darf nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Zu groß ist die Gefahr einer Wechselwirkung mit den Immunsuppressiva und einer unkontrollierten Veränderung der Blutspiegel.

Rauchen

Rauchen gefährdet den Transplantationserfolg und schädigt auch alle anderen Organe. Der Verzicht auf Zigaretten muss für jeden Transplantierten selbstverständlich sein.

Körperliche Belastungen und Sport

Viele transplantierte Patienten genießen es, endlich wieder körperlich aktiv werden zu können. Sport ist kein Tabu, im Gegenteil. Er hilft, neue Energie aufzubauen und beeinflusst den gesamten Gesundheitszustand positiv. Darüber hinaus kann Sport eine wichtige soziale und psychische Komponente erfüllen. Der Kontakt mit Gleichgesinnten in der Sportgruppe ermutigt, steigert das Selbstwertgefühl und hilft, Ängste abzubauen.

Um Risiken auszuschließen, können vor Trainingsbeginn eine gründliche ärztliche Untersuchung und ein Beratungsgespräch mit Arzt und Trainer stattfinden. So können die geeignete Sportart und Trainingsgruppe ausgewählt werden. Ausdauersportarten wie Radfahren, Walking oder Schwimmen sind besonders geeignet, während Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko oder Kraftsportarten nur eingeschränkt zu empfehlen sind.

Geeignete Sportarten
 
Ungeeignete Sportarten
Laufen, Joggen, Walking Ballsportarten
Radfahren Kampfsportarten
Schwimmen Kraftintensive Sportarten
wie z. B. Gewichtheben,
Krafttraining
Gymnastik
Wandern Sprungintensive Sportarten
wie z. B. Weit- und Hochsprung,
Trampolinspringen
Skilanglauf

Sexualität und Kinderwunsch

Das oftmals durch die schwere Organerkrankung eingeschränkte Sexualleben normalisiert sich nach der Transplantation meistens wieder.

Junge Menschen, die sich nach der Transplantation ein Kind wünschen, sollten dies vor der Schwangerschaft mit ihrem Arzt besprechen. Prinzipiell spricht nichts dagegen, doch wird empfohlen, mit der Familienplanung das erste Jahr nach der Transplantation abzuwarten. Zudem sollte die Transplantatfunktion stabil sein. Nicht alle Medikamente sind für eine Schwangerschaft gleichermaßen geeignet. Medikamente, für die Missbildungen beschrieben sind, müssen bei Schwangerschaftswunsch im Vorfeld ausgetauscht werden. Auch dies erfolgt unter strenger ärztlicher Kontrolle.

Beruf

Der Wiedereinstieg in den Berufsalltag ist für viele Patienten von großer Bedeutung. Solange sie nicht zu einer körperlichen Überanstrengung oder Stress führen, tragen Arbeit und eine regelmäßige Beschäftigung – verbunden mit der beruflichen Anerkennung und dem gesamten sozialen Umfeld – zur körperlichen und psychischen Lebensqualität bei.

Wer sich noch nicht voll belastbar fühlt, sollte sich anfangs noch schonen und von der Möglichkeit Gebrauch machen, die Arbeitszeit stufenweise zu erhöhen. Bei zu schwerer körperlicher Arbeit oder Tätigkeiten mit einem hohen Infektionsrisiko kann es sinnvoll sein, eine Umschulungsmaßnahme in Anspruch zu nehmen. Rehabilitationszentren und Sozialdienste stehen in diesen Fällen für eine Beratung zur Verfügung.

Reisen

Nach einer Transplantation steht auch dem Reisen nichts mehr im Wege. Im ersten Jahr ist der Patient meist noch etwas geschwächt und das Risiko für Komplikationen liegt höher. Deshalb wird den Patienten empfohlen, möglichst nur ins nahe europäische Ausland zu verreisen. Soll es dennoch ein Fernziel sein, dann sind Kanada, USA, Japan oder Australien geeignete Urlaubsziele, da diese Länder eine gute medizinische Grundversorgung und Hygiene bieten und dort klimatische Bedingungen vorherrschen, die den Organismus nicht zu sehr belasten.

Fernreisen verlangen eine frühzeitige Planung und intensive Vorbereitung. So sollte der Gesundheitszustand inklusive medizinischer Befunde und die aktuelle Medikamenteneinnahme vom Arzt dokumentiert und die Reiseapotheke mit einer großzügigen Reserve an immunsuppressiven Medikamenten ausgestattet werden. Es empfiehlt sich, eine doppelte Menge an Medikamenten mitzuführen. Ein Teil gehört ins Handgepäck, ein Teil sollte im Koffer verwahrt werden. Darüber hinaus bedarf es der Abklärung, ob spezielle Impfungen erforderlich sind. Reisen in Regionen mit hohem Infektionsrisiko wie zum Beispiel Malaria- oder Choleragebiete sind nicht empfehlenswert.

Vor Ort sollte man unbedingt die Hygienerichtlinien beachten, unter anderem kein Leitungswasser trinken oder Nahrungsmittel roh verzehren. Darüber hinaus sind ausreichender Insekten- und Sonnenschutz lebenswichtig. In Verbindung mit manchen Medikamenten reagiert die Haut besonders empfindlich auf Sonne, zudem ist durch die Immunsuppression das Hautkrebsrisiko erhöht.

Reisetipps

Urlaubsplanung
  • Regelmäßig die wichtigsten Routine- bzw. Auffrischungsimpfungen, einschließlich Grippeschutzimpfung, durchführen und im Impfausweis dokumentieren lassen. Hinzu kommen Reiseimpfungen je nach Urlaubsziel.
  • Bei Reisen nach Asien oder Afrika vorab über das Konsulat oder gegebenenfalls die Botschaft klären, ob mit ärztlichem Attest auch ohne Gelbfieberimpfung eingereist werden darf.
  • Bei Einreise in ein Malariaendemiegebiet in Absprache mit dem Transplantationszentrum entsprechend früh mit der Malariaprophylaxe beginnen.
  • Impfpass, ärztliche Bescheinigung der wichtigsten Diagnosen und der aktuellen Medikation mit genauer Angabe von Wirkstoff und Dosierung (eventuell in Englisch), gegebenenfalls Kopien der Befunde, Europäischer Notfallausweis, Botschaftsadresse sowie Transplantationsausweis mit Adresse und Telefonnummer des nächsten Transplantationszentrums mitführen.
  • Immer eine ausreichende Menge der Immunsuppressiva sowie eine sinnvolle Reiseapotheke mitführen.
  • Mit dem Arzt Verhaltensregeln für den Erkrankungsfall besprechen (z. B. bei Fieber, Durchfall oder bei Medikamenteninteraktionen).
  • Rückreiseplanung für den Fall eines erforderlichen Kranken- bzw. Rücktransports machen.

Vor Ort

  • Bestimmte Lebensmittel wie offenes Speiseeis, ungeschältes Obst und mit Eiswürfeln gekühlte Getränke dürfen besonders in südlichen Ländern nicht konsumiert werden.
  • Auf einen guten Sonnenschutz (mindestens SPF 30) achten und direkte Sonne meiden
  • Mückenschutzmittel verwenden und ggf. unter einem Moskitonetz schlafen.

BGV Info Gesundheit e.V. • Heilsbachstr. 32 • 53123 Bonn • E-Mail: info(at)bgv-info-gesundheit.de

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